Digitale Souveränität: Wie die Entzauberung eines Mythos gelingt

22. Mai 2026 um 12:07 UTC
netzpolitik.org
Original: DE
Digitale Souveränität: Wie die Entzauberung eines Mythos gelingt

Aktuelle Diskussionen auf der re:publica-Konferenz in Berlin beleuchteten das vielschichtige und oft debattierte Konzept der digitalen Souveränität in Europa. Expertinnen vom Berliner Max-Planck-Institut für sozialwissenschaftliche Forschung (MPI-MMG) und vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Julia Pohle und Marielle-Sophie Düh, untersuchten den Begriff kritisch und betonten die Notwendigkeit, über Schlagworte hinauszugehen und ein konkreteres Verständnis seiner Auswirkungen auf die europäische digitale Landschaft zu entwickeln. Ihre Analyse hob die breite Palette von Interpretationen hervor, die von Grundrechten bis zur Stärkung der europäischen KI-Startup-Szene reichen, und wies auf einen Mangel an Konsens über die Kernziele und Nutznießer der digitalen Souveränität hin. Die Debatte um die digitale Souveränität auf der re:publica erstreckte sich über verschiedene Technologiebereiche wie künstliche Intelligenz, Cloud Computing und Zahlungssysteme, wobei die Teilnehmer unterschiedliche Perspektiven einnahmen. Während einige, wie re:publica-Mitbegründer Markus Beckedahl, sie mit Grundrechten verbanden, konzentrierten sich andere, wie der Beauftragte der Bundesregierung für die Digitale Wirtschaft und Start-ups, Thomas Jarzombek, auf die Förderung heimischer KI-Innovationen. In den Diskussionen gab es auch Forderungen nach einer verstärkten Nutzung von Open-Source-Lösungen europäischer Unternehmen, denen Argumente für eine schnelle Deregulierung zur Wachstumsförderung gegenüberstanden. Pohle und Düh argumentieren, dass der Diskurs oft entscheidende grundlegende Fragen außer Acht lässt: Für wen soll digitale Souveränität erreicht werden, von wem und zu welchem endgültigen Zweck? Sie widerlegen auch den Mythos, dass digitale Souveränität ein neuartiges oder inhärent demokratisches europäisches Konzept sei, und verweisen auf einen Bericht von Simon Nora und Alain Minc aus dem Jahr 1978, der bereits Bedenken hinsichtlich der amerikanischen industriellen Dominanz im Computerwesen aufzeigte und somit die aktuelle Debatte in einen langjährigen historischen Kontext einbettete.

Kuratiert und übersetzt von Europe Digital für unser mehrsprachiges europäisches Publikum.

Warum das für die europäische digitale Souveränität wichtig ist

Europäische Diskussionen auf der re:publica offenbaren ein fragmentiertes Verständnis von digitaler Souveränität, das von Grundrechten bis hin zur Förderung der KI-Startup-Szene reicht. Dieser Mangel an Konsens wirft Fragen nach den ultimativen Nutznießern und Zielen der europäischen Digitalpolitik auf. Experten plädieren für eine klarere Definition, um konkrete Maßnahmen in Bereichen wie KI und Cloud Computing zu leiten.

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Veröffentlichung: netzpolitik.org
Veröffentlicht: 22. Mai 2026 um 12:07 UTC
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